Respekt und Anerkennung

Am 3. Mai 2003 fand der dritte Golfschnupperkurs für Schlaganfallbetroffene und ihre Partner statt. Bei guten äußeren Bedingungen konnten 22 interessierte Golfnovizen von Dr. Ullrich begrüßt werden. Die drei Gruppen wurden von Craig West, Andreas Fehling und mir betreut. Im ersten Teil konnte jeder Teilnehmer die Schlagtechniken Putten, Chippen und Driven kennenlernen und ausprobieren. In der folgenden Pause gab es bei Pizza und Getränken viele Erfahrungen und Erlebnisse auszutauschen. Im zweiten Teil ging es gleich ans Eingemachte bei einem kleinen Turnier über zwei Spielbahnen. Alle Turnierteilnehmer/innen erhielten Preise. Bis auf zwei Schlaganfallpatienten waren alle Anderen vom Projekt "Ein Schlag gegen den Schlag" begeistert.

Im Jahr 2003 haben 34 Betroffene und 26 Partner am wöchentlichen Training teilgenommen. Die Gruppen wurden von Carsten Rutsatz und mir betreut. Carsten Rutsatz beendete bald darauf sein Dipl.- Sportstudium und hat die DGV C-Trainer Lizenz. Die Zusammenarbeit mit ihm gab mir mehr individuelle Möglichkeiten bei der Planung und Umsetzung der Trainingsinhalte. Bei den Betroffenen wurden Koordinationsverbesserungen erzielt z.B. bessere Gleichgewichtsfähigkeit, verminderte Spastik und deutlich gesteigertes Selbstwertgefühl. Diese Fortschritte ermöglichten eine Verbesserung und Stabilisierung der erlernten Schlagtechniken. Die Schlaganfallpatienten erfahren von vielen Golfern Anerkennung und Respekt für ihre Begeisterung, Ausdauer und guten Ergebnisse trotz des körperlichen Handicaps. Golf als Therapiesport zeigt, dass die Betroffenen häufig besser golfen als die gesunden Partner. In welcher anderen Sportart ist dies möglich?

Fast alle Golfer und Golferinnen, die 2002 mit dem PPG angefangen haben, konnten die große Platzreife erlangen. Besonderen Dank dem Golfclub Gut Heckenhof, Bad Münstereifel und dem Golfclub Am Katzberg, bei denen wir als "PPG Gruppe" gern gesehene Gäste waren. Die meisten Teilnehmer, die 2003 begonnen haben, können die kleine praktische Platzreife nachweisen, die zur Platzbenutzung auf dem Gut Clarenhof berechtigt. Der theoretische Teil muss im Frühjahr noch nachgeholt werden. Die Golfgötter hatten die tollen Fortschritte und die Freude der Golfer mit reichlich Sonne belohnt.

Der erste PPG-Golfurlaub im Sommer mit Ilse & Berthold Arhelger, Dagmar & Willi Richartz, Gisela Büschbell, Alois Niehaber und mir war ein toller Erfolg. Alois war erst kurz zuvor beim Schnuppertag gewesen und konnte in seinem Golfeifer nicht gebremst werden. Eine intensive Golfwoche haben wir im Dolomitengolfclub Defereggental verbracht. Die ersten 9-Loch Runden waren ein wenig zäh, was das Tempo und die Schlaganzahl anbelangte. Doch von Tag zu Tag legten alle den Respekt vor dem "großen Platz" ab. Im Vergleich zum Gut Clarenhof sind einige Spielbahnen bis zu viermal länger. Willi Richartz konnte die "Adidas Dolomitengolf Open 2003" gewinnen und mit dem tollen Ergebnis sich die große Platzreife sichern. Hotel, Golfplatz, Wetter und eine traumhafte Naturkulisse machten alles perfekt. Hotel- und Platzinhaber Werner Hamacher hat mit seinem Team erheblich dazu beigetragen. Für einen so herrlichen Turnierplatz ist es nicht selbstverständlich, dass auf Schlaganfallpatienten soviel Rücksicht genommen wird.

Interesse am PPG wurde auch von der Osttiroler Presse gezeigt (siehe Zeitungsartikel). Einen weiteren Artikel über das PPG Modell gab es in der Rheinischen Post: Prof. Seiji Nagase aus Japan soll das Modell Deutsche Sporthochschule auf japanische Verhältnisse übertragen. Bei dieser Gelegenheit konnte sich der ehemalige Sporthochschuldozent von dem Projekt "Ein Schlag gegen den Schlag" ein genaues Bild machen. Der Kontakt zu Prof. Nagase kam durch meinen Freund Dr. Lothar Ulatowski (Chirurg und DSV-Verbandsarzt) zustande. Er ist leider nach einem Schlaganfall nun selber betroffener PPG Golfer. Durch die Erfahrung als Arzt, Golfer und Betroffener konnte er uns immer wieder mit seinem Wissen helfen.

Das Ärzteteam um Dr. Christian Dohmen (Leitender Neurologe, Regionalbeauftragter der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe) stand uns als Notarztbereitschaft jeden Mittwoch am Gut Clarenhof zu Verfügung. Gott sei dank gab es auch in diesem Jahr keinen einzigen Zwischenfall. - Nur der Golfvirus überträgt sich auch auf einige Ärzte.

Durch den Bericht aus der Rheinischen Post gab es eine Nachfrage von Dr. Strich das Projekt "Ein Schlag gegen den Schlag" beim 6. Sportärztetag Ratingen vorzustellen. Dr. Thomas Franken und ich kamen dieser Einladung nach, um die Projektidee und Trainingsinhalte von Barbara Ullrich weiter bekannt zu machen. Nach dem Kongress ergab sich der Kontakt zu Dr. Herwegen, Stellvertreter von Prof. Liesen (Golfakademie Paderborn).

Am 26. November fand das Jahresabschlussturnier statt. Fast alle 50 Teilnehmer/innen gingen an den Start. Bei gutem Wetter erlebten wir ein gelungenes Golfturnier mit guten Schlägen und Ergebnissen. Den 1. Platz belegten Gerd Kollenberg als Betroffener und Birgit Schmitz, die als Nichtbetroffene kurz vor der Entbindung war! Dies war ein gelungener Jahresabschluss mit toller Stimmung beim anschließenden gemütlichen Beisammensein.

Zum Wintertraining kommen 20 Teilnehmer/innen, die bei Wind und Wetter mit Carsten und mir trainierten.

Ich freue mich auf das neue Jahr 2004 mit vielen sportlichen Höhepunkten (Olympiade, Fußball-EM). Allen PPG-Golferinnen und Golfern wünsche ich 2004 ihr persönliches Golfhighlight.

Ganz besonders möchte ich Barbara und Georg Ullrich zu ihrem Projekt gratulieren. Für die großzügige Unterstützung von Uli Paetzel, den Meurinwerken Andernach, der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe sowie dem Ärzteteam bedanke ich mich herzlich.

Mit sportlichem Gruß

Winfried Bellinghausen
Dipl. Sportlehrer & Golf Pro
Leitender Trainer Golfprojekt (2003)