Projekt mit Potential

Ziele des PPG:
1. Schlaganfall-Betroffene sollen beim gemeinsamen Golfspiel mit dem Lebenspartner, anderen Betroffenen und betreuenden Ärzten die gesellschaftliche und private Isolation überwinden, in die sie durch den Schlaganfall häufig geraten sind. Durch das gemeinsame Erlernen der Bewegungsabläufe und die Freude am Spiel soll die Lebensqualität der Schlaganfall-Betroffenen gesteigert werden.
2. Durch die Verbesserung und Erhaltung der koordinativen und konditionellen
Fähigkeiten soll die langfristige Rehabilitation von Schlaganfall-Betroffenen unterstützt werden.

Die Rahmenbedingungen für die Teilnehmer waren äußerst günstig: Es wurde auf einem „Golfplatz für Jedermann“ gespielt, das heißt, dass hier keine hohen Mitgliedsbeiträge erhoben werden, dadurch der sonst häufig vorherrschende elitäre Charakter des Golfspiels wegfällt und niemand durch diese soziale Barriere abgeschreckt wird. Der Golfplatz wird also ausdrücklich von behinderten und nichtbehinderten Personen gemeinsam genutzt. Weiterhin steht spezielles, behindertengerechtes Golfgerät zur Verfügung. Die betreuenden Golftrainer verfügen durch ein abgeschlossenes Sportstudium und berufliche Erfahrung im Umgang mit Behinderten über ein fundiertes Wissen im Bereich Behindertensport und Rehabilitation. Es werden seitens der Trainer die individuelle Behinderung berücksichtigt und die Bewegungsabläufe dieser Behinderung angepasst. Bei allen Tätigkeiten wird besonderes Augenmerk auf den spielerischen Aspekt gerichtet, um jede Art von Wettkampfsituation, die leicht zur Überforderung einzelner Teilnehmer führen könnte, zu vermeiden.

Der gegründete Ärztepool gewährleistet einerseits, dass die Schlaganfall-Betroffenen zur medizinischen Absicherung beim Spiel immer von einem Arzt begleitet werden, und andererseits ein lockeres, vertrauensvolles Miteinander von Betroffenen und Ärzten durch die Teilnahme der Ärzte am Spiel selbst. Der Ärztepool besteht aus niedergelassenen Ärzten/innen (Orthopäde, Allgemeinmediziner, Radiologe, Anästhesist, Homöopath, Internist), einer Neurologin mit Schwerpunkt Rehabilitationsmedizin und einem Neurologen mit Schwerpunkt akute Schlaganfallversorgung.

Die Gruppe der Betroffenen wird reihum von einem der jeweiligen Ärzte betreut; alle teilnehmenden Ärzte stehen den Betroffenen jederzeit für Fragen zu ihrer Krankheit/Behinderung zur Verfügung.

Zu Beginn des Projektes bestand bei uns teilnehmenden Ärzten neben der Vorfreude und einer großen Motivation eine gewisse Skepsis, ob die Teilnehmer durch die doch recht hohen Anforderungen des Golfsports an Konzentration und Körperbeherrschung nicht entmutigt werden könnten. Das Gegenteil war der Fall: alle Teilnehmer spielten und übten mit einer ungeheuren Begeisterung, die sich in zum Teil überraschenden Fortschritten im Erlernen neuer Bewegungsabläufe niederschlug. Nicht selten waren die spielerischen Fortschritte bei den behinderten Teilnehmern sogar größer als bei den nichtbehinderten. Wir konnten erleben, wie die Behinderung der Teilnehmer für die Zeit des Spiels in den Hintergrund gedrängt wurde und einer ausgelassenen Spielfreude wich. Einige Teilnehmer berichteten sogar, sie hätten ihre Behinderung beim Golfspielen völlig vergessen. Der Spaß der Teilnehmer am Golfspiel sprang im Übrigen auch auf uns Ärzte über, die wir zum Teil ebenfalls zum ersten Mal Golf spielten. Einige sind begeisterte Golfer geworden und so wird der Ärztepool auch in Zukunft Bestand haben.

Das PartnerProjekt Golf zeichnet sich dadurch aus, dass eine Freizeitgestaltung für Schlaganfall-Betroffene geschaffen wurde, bei der meiner Meinung nach vorbildhaft eine Gemeinschaft aus Betroffenen, ihren Lebenspartnern und betreuenden Ärzten zustande kommt. Die große Resonanz des Projektes bei den Teilnehmern zeigt, dass den Betroffenen das gemeinsame Golfspiel sehr viel Freude bereitet und dazu geeignet ist, die Lebensqualität zu verbessern. Die sichtbaren Fortschritte beim Erlernen neuer Bewegungsabläufe spiegeln das Potenzial des Projektes wider, die langfristige Rehabilitation Schlaganfall-Betroffener zu fördern. Insgesamt war dieser Kurs nach unserem Eindruck für die Betroffenen ein großer Erfolg, und wir können nur wünschen und hoffen, dass das Projekt fortgesetzt werden kann.

Dr. Med. Christian Dohmen
Neurologe an der Kölner Universitätsklinik, Leiter des betreuenden Ärztepools und Regionalbeauftragter der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe